top of page

"Erleuchtung" im RA material (mit ergänztem Index)

31. Aug.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Sept.

Das Thema "Erleuchtung" war für mich ein Kernthema, das mich schon lange Zeit begleitet. Schon früh begegnete mir der Buddhismus und bis Heute ist er, speziell der Zen Buddhismus (oder chinesisch "Chan") eine Philosophie die meinen Geist prägt und befreit. Schicht um Schicht.


Viele Menschen haben vom Buddhismus und von Erleuchtung ein verzerrtes Bild. Es ist die einzige, mir bekannte "sehr alte" Lehre, die sich sehr pragmatisch mit der Erleuchtung/Befreiung, und damit totalen Erweiterung, des Bewusstseins beschäftigt. Deshalb habe ich auch im RA Material alle aus meiner Sicht betroffenen Fragen herausgesucht, die in irgendeiner Form das Thema "Erleuchtung" berühren, auch wenn der Begriff selbst nicht unbedingt genannt wird.


Auf jeden Fall sind die Aussagen ernüchternd und eine komplementäre Ergänzung zu den ursprünglichen Lehren Buddhas und den Aufzeichnungen diverser späterer Zen-Patriarchen. Besonders hervorzuheben sind die Schriften von Huang-Po, nur so nebenbei Erwähnt.



"Erleuchtung" im RA Material

Interessant ist, dass Ra den Begriff selbst nur an wenigen Stellen verwendet. Der erweiterte Index ergibt zusammengenommen ein ziemlich geschlossenes Bild. Es werden dabei Aussagen über Selbst-Erkenntnis, Erfahrung, Meditation, Initiation, intelligente Unendlichkeit, Polarität und die Archetypen des Geistes angeschnitten. Daraus lässt sich einen inneren Weg herauslesen.


Am Anfang steht ein scheinbarer Widerspruch:

Erleuchtung kann nicht von einem anderen Menschen vermittelt werden.


Man kann Wissen weitergeben, Anregungen geben, inspirieren, Fragen stellen und einen anderen Menschen auf etwas aufmerksam machen – aber den eigentlichen Durchbruch kann niemand für einen anderen vollziehen. Bereits in 1.10 wird eine eigentümliche Beziehung zwischen Lernen und Lehren beschrieben:

Wenn Bewusstsein sich selbst erkennt, sind „Lehrer“ und „Schüler“ letztlich nicht zwei voneinander getrennte Wesen. Lernen und Lehren werden zu zwei Seiten desselben Vorgangs. Solchen Paradoxien begegnet man in den Sutras im Zen noch und nöcher.


In 2.1 wird das noch radikaler formuliert. Ra beschreibt die Übermittlung des Materials als eine Kommunikation „vom Einen zum Einen“:

Wenn einer erleuchtet ist, sind nicht letztlich alle erleuchtet?


Das bedeutet nicht, dass die Erleuchtung eines Menschen automatisch das Bewusstsein aller anderen verändert. Vielmehr wird die grundlegende Trennung zwischen „mir“ und „den anderen“ relativiert. Der Erleuchtete erkennt etwas, das immer schon die Grundlage der Beziehung zwischen allen Wesen gewesen ist. Die Buddha-Natur von allem wird erkannt. Das muss jeder selbst für sich erfahren/erleben. Deshalb kann Lehren nur ein Anstoß sein.


RA sagt: Es gibt keine Abkürzung zur Erleuchtung.


Ra beschreibt Erleuchtung als etwas, das „des Augenblicks“ ist – als eine Öffnung zur sogenannten intelligenten Unendlichkeit. Sie kann nicht durch die Ansammlung von immer mehr Informationen hergestellt werden. Der Suchende kann sich vorbereiten, reinigen, balancieren, untersuchen, meditieren und sein Bewusstsein ausrichten. Aber der eigentliche Durchbruch ist etwas, das nicht vom persönlichen Willen produziert werden kann.


Genau darin liegt die eigentümliche Parallele zum Zen: Man kann den Weg gehen, aber man kann den Zustand der Erleuchtung (im Zen "Satori" genannt) nicht herstellen, nicht besitzen und nicht erreichen. Man soll und kann nicht versuchen, sich durch irgendwelche äußeren Techniken künstlich „erleuchtet“ zu machen. Stattdessen beginnt die Arbeit damit, sich selbst wirklich zu erkennen. Doch wie?


Das bedeutet allerdings, dass die persönliche Entwicklung wichtig ist. Das RA-Material führt auch hier weiter in den Kaninchenbau der "Erleuchtung".


In 4.8 wird dieser Gedanke im Zusammenhang mit den Pyramiden und der Initiation deutlich  (ja im RA Material geht es auch um die Pyramiden von Giseh). Ra sagt sinngemäß, dass äußere Strukturen gegenüber der inneren Disziplin zweitrangig sind. Dazu gehören natürlich auch allerlei Energieprodukte, Geometrien und ähnliche "Hilfsmittel". Es sind alles Werkzeuge die eine Funktion erfüllen können, aber entscheidend ist die Reinheit desjenigen, der sie benutzt. Die eigentliche „Struktur“, durch die Erkenntnis geschieht, ist nichts außerhalb des Menschen, sondern der Mensch selbst.


In 4.17 wird die Entwicklung klar in drei Bereiche gegliedert:

Geist, Körper und seelische Ebene, folgend Seele genannt.


  • Der Geist muss sich selbst erkennen

  • Der Körper muss diszipliniert und ausbalanciert werden

  • Der Spirit verbindet das aufwärts gerichtete Streben des Menschen mit der einströmenden intelligenten Unendlichkeit


Damit kommt man zu einem entscheidenden Punkt:

Erleuchtung ist im RA-Material keine Flucht aus dem Menschsein.


Das wird besonders klar in 18.5. Dort wird ausdrücklich die Vorstellung hinterfragt, dass das individuelle Selbst ausgelöscht und die materielle Welt ignoriert werden müsse, um Nirvana oder Erleuchtung zu erreichen. Ra meint: In dieser Dichte soll der Mensch alles erfahren, was er erfahren möchte, diese Erfahrungen untersuchen, verstehen und akzeptieren und daraus die in ihnen enthaltene Liebe/Licht-Essenz herausdestillieren. Nichts müsse gewaltsam „überwunden“ werden. Was nicht mehr gebraucht wird, fällt von selbst weg.


Das ist eine der zentralen Aussagen zu "Erleuchtung". Es geht nicht um das "Was", sondern um das "Wie".


Der Weg besteht demnach nicht primär darin, mehr ein "spirituelles" Wesen und weniger Mensch zu werden. Er besteht darin, das Menschsein vollständig zu sein und so zu durchdringen.


Begehren, Angst, Freude, Schmerz, Beziehungen, Konflikte, Körperlichkeit, Ambitionen, Verletzungen und Sehnsüchte werden nicht einfach als Hindernisse betrachtet. Sie sind Material für Bewusstsein. Das Problem ist nicht, dass etwas erfahren wird, sondern dass man die Erfahrung gewöhnlich nicht vollständig erkennt. Man reagiert, identifiziert sich damit und wiederholt sie. Durch Bewusstheit hingegen wird aus der Erfahrung Katalyst, ein Auslöser für Entwicklung: Die Erfahrung wird betrachtet, verstanden, akzeptiert und schließlich integriert. Genau dort kann die regelmässige Praxis von Zazen (stilles Sitzen) eine grosse Unterstützung sein.


Den Erfahrungen mit Bewusstheit begegnen erzeugt eine Art Destillation:

Das rohe Leben wird nicht verworfen, sondern immer feiner verstanden.


Das erklärt auch, warum Ra in 15.13 davor warnt, einem anderen Menschen Erleuchtung „beibringen“ zu wollen. Selbst Übungen und Methoden können nur Hilfsmittel sein. Der Suchende muss sich letztlich selbst erleuchten.


Der entscheidende Prozess ist daher nicht Unterdrückung, sondern Bewusstwerdung.


Das wird in 52.7 noch klarer. Dort geht es um die sogenannte Disziplin der Persönlichkeit. Ra warnt ausdrücklich davor, Gedanken und Impulse einfach kontrollieren oder unterdrücken zu wollen. Das könne zwar äußerlich wie Disziplin, Frieden oder Erleuchtung aussehen, führe aber letztlich zu einer neuen Form der Verdrängung. Was zunächst wie spirituelle Kontrolle aussieht, erzeugt neue Unausgeglichenheit.


Stattdessen nennt Ra drei Dinge: Selbstannahme, Selbstvergebung und die Ausrichtung des Willens.


Ich spreche auch hier gerne von "liebevoller Akzeptanz". Sowohl sich selbst gegenüber, als auch seinen Mitwesen gegenüber. Das Ziel ist nicht, einen Teil von sich abzuschaffen. Das Ziel ist, ihn vollständig zu verstehen. Dadurch verliert er seine unbewusste Macht.


RA-Material spricht häufig von Balance. Erleuchtung ist nicht die maximale Verstärkung eines einzelnen Aspekts des Menschen. Sie ist eine zunehmende Aufhebung innerer Verzerrungen durch deren Bewusstwerdung. Genau das Versucht die Zen Praxis. Was bleibt übrig, wenn ich alles verneine und an mir vorbei ziehen lasse? Wenn es kein Anhaften mehr gibt? Wenn sich jeder Begriff von etwas aufgelöst hat?


Der Suchende soll gleichzeitig seine Unvollkommenheit und seine Vollkommenheit sehen und annehmen können.


Diesen scheinbaren Widerspruch formuliert Ra in 57.24 und 57.33. Der Suchende soll das Eine suchen, indem er sich selbst sowohl in seinen offensichtlichen Verzerrungen als auch in seiner vollständigen Vollkommenheit erkennt. In diesem Gleichgewicht öffnet sich das Selbst für das Universum, das es selbst ist. Die Begegnung zwischen dem inneren Suchen und der einströmenden kosmischen Energie führt zur „Realisierung des Einen“. Im Buddhismus spricht man sogar von der "Realisation", was im Prinzip Buddha geworden zu sein bedeutet.


Die Bedeutung von Meditation

Meditation ist nicht primär eine Technik, um einen besonderen Zustand zu erzeugen. Sie wird vielmehr zu einer Rückkehr in eine ursprüngliche Offenheit, in der die gewöhnliche Trennung zwischen „Ich“ und „Welt“ durchschaut werden kann.


Deshalb sagt Ra in 57.33 auch, dass die Kategorien von Raum/Zeit und Zeit/Raum für die mystische Suche nach Einheit letztlich nicht entscheidend sind. Sie beschreiben nur die Struktur der Illusion. Der Suchende sucht aber das, was dieser Struktur zugrunde liegt. Das ursprüngliche Wesen allen seins. Hier wird wieder wunderbar die Paralelle zwischen Ra's Aussagen und denen Gautama Buddhas aufgezeigt.


Die Erleuchtung wäre somit nicht das Erlangen eines außergewöhnlichen Wissens über die Welt. Buddha selbst sagte, er hätte durch die Erleuchtung "nichts gewonnen".


Sie wäre das Erkennen dessen, was vor jeder Trennung bereits vorhanden ist und immer vorhanden war.


Das führt direkt zu Ra's Konzept der intelligenten Unendlichkeit.


In 34.2 beschreibt Ra den Durchbruch zu dieser Ebene als etwas, dessen Qualität individuell verschieden erlebt wird. Die Erfahrungen reichen von grenzenloser Freude bis zu einer sehr starken Hingabe an den Dienst für andere. Charakteristisch sei jedoch eine kaum beschreibbare Tiefe. Bemerkenswert ist, dass Ra gerade nicht sagt, dass derjenige danach einfach aus der Welt verschwinden möchte. Im Gegenteil: Häufig entsteht ein starkes Bedürfnis, die Erfahrung mit anderen zu teilen oder anderen zu helfen. Im Buddhismus spiegelt sich das im frühen Mahayana-Buddhismus wieder, in dem die Erleuchtung nicht einfach für sich selbst erreicht wird, sondern damit die Pflicht und Verantwortung kommt, sie mit weniger erleuchteten Wesen zu teilen. Aus Ra's Sicht wäre das der Ultimative Dienst am Anderen oder englisch "Service to Others", kurz STO.


Der erleuchtete Mensch, so auch Buddha, hat etwas erkannt, das größer ist als seine individuelle Identität, und gerade deshalb andere Wesen wichtiger. Wenn „alles Eins“ ist, verliert Dienst am anderen seine scheinbare Selbstlosigkeit. Man hilft nicht mehr einem völlig Fremden, sondern gewissermaßen einem anderen Ausdruck desselben Ursprungs.


Deshalb ist 23.10 so interessant. Ra wird dort gefragt, ob der Versuch, die Menschen durch die Pyramiden zu höherem Bewusstsein zu führen, letztlich erfolgreich war. Die Antwort ist paradox: Wenn auch nur einer durch diese Bemühung zur Vision des Einen gelangte, war sie nicht gescheitert. Erfolg wird nicht anhand der Masse gemessen, sondern daran, ob Bewusstsein tatsächlich erwacht. Wenn alles Eins ist, ist die Menge nicht wichtig.


Das wird in 48.5 wiederholt. Eine große Öffentlichkeit ist nicht automatisch wertvoller als eine kleine. Menschen, die ohne äußeren Sensationsreiz nach Wahrheit suchen, können sogar stärker zur „Illumination“/"Erleuchtung" orientiert sein. Deshalb soll der Suchende nicht die Zahl seiner Zuhörer zählen.


Hunderttausend Menschen, die über Erleuchtung sprechen, sind nicht notwendigerweise weiter als ein einzelner Mensch, der still sitzt und seine eigene Erfahrung vollständig erkennt. Zen erscheint manchmal im ersten Moment etwas egoistisch, da jeder "für sich" sitzt. Aber in diesem Kontext lässt sich das erweitert betrachten. Wir sitzen zusammen, jeder für sich, mit maximaler Bewusstheit. Jeder nach seiner Kapazität.


Ra sagt in 17.2 nicht nur, dass niemand einem anderen Erleuchtung geben kann. Es wird auch erklärt, dass die wichtigste Form des „Lehrens“ nicht Information ist, sondern die Ausstrahlung einer realisierten Einheit. So wie es Buddha offenbar getan hat und über Jahrhunderte weiter strahlt. Information kann den Suchprozess auslösen; die eigentliche Öffnung geschieht jedoch irgendwann unmittelbar. Genau wie im Zen immer wieder beschrieben.


Das erklärt auch die Aussagen zu "psychischen Angriffen" in 70.4. Dort wird die intensive Suche der Gruppe nach Erleuchtung selbst als Ursache dafür beschrieben, dass der Widerstand gegen sie zunimmt. Innerhalb der Kosmologie des RA-Materials bedeutet dies: Je stärker ein Bewusstsein sich auf Erkenntnis und Dienst ausrichtet, desto stärker werden auch die ungelösten Gegenkräfte sichtbar.


Daraus lässt sich ableiten:

Je stärker das Licht wird, desto sichtbarer werden die Schatten.


Dynamische Erfahrung durch "die Wahl"

Die Wahl (en. "The Choice") wird in 78.21 und 78.22 als Achse beschrieben, um die sich die Entwicklung der Schöpfung dreht. Die Schöpfung ist dabei kein statisches System, sondern ein sich selbst erfahrendes und lernendes Ganzes. Der Meditant oder Betrachter ist Teil dessen. Der Logos erfährt sich durch seine Geschöpfe, und die Erfahrungen einer gesamten Oktave werden letztlich Teil dessen, was dieser Logos geworden ist.


Damit erhält auch die individuelle Erfahrung eine kosmische Bedeutung. Du bist Augen und Ohren der Schöpfung selbst. Wir leben in einem dynamischen Rückkopplungssystem. Ähnlich wie die Algorythmen von grafischen Fraktalstrukturen, wo das Ergebnis wieder in die Berechnung einfliesst und so weiter. Es entsteht ein komplexer Prozess, der sich laufend weiterentwickelt.


Dein Leben ist nicht nur etwas, das dir passiert. Es ist eine Form, in der sich das Universum selbst erfährt.


Das erklärt wiederum 71.22: Die „Erleuchtung“ durch das RA-Material wird dort ausdrücklich nur als partielle Erleuchtung bezeichnet. Und Ra sagt, dass dies nicht nur für dieses Material gilt. Alle Dinge und Erfahrungen, mit denen ein Mensch in Berührung kommt, können grundsätzlich zu diesem Prozess beitragen.


Die Erleuchtung liegt nicht im Studium, nicht bei einem Lehrer, nicht in einem Hilfsmittel und auch nicht in der Meditation. Aber diese Dinge können Erleuchtung begünstigen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Denn es liegt in der Art, wie Bewusstsein Erfahrung wahrnimmt und verarbeitet. Meditation hilft diesen Prozess zu erkennen. Und so wird das Leben selbst zum Lehrmeister.


Deshalb ist Zen so einfach und unspektakulär. Es reduziert äussere Bewegung und lässt den Fokus auf den inneren Prozess verschieben.


Wenn man den Faden aus dem RA-Material weiterverfolgt, entsteht ungefähr diese Entwicklung:


Erfahrung → Beobachtung → Erkenntnis → Integration → unmittelbares Erkennen.


Durchschauen der Vorstellung, dass dieses Ich jemals vollständig getrennt gewesen sei.





"Erleuchtung" im RA Material

01.10.01, 02.01.01, 04.08.01, 15.13.01, 17.02.01, 17.37.01, 18.05.01, 23.10.01, 34.02.01, 48.05.01, 49.04.01, 52.07.01, 57.24.01, 57.33.01, 70.04.01, 71.22.01, 78.19.02, 78.21.01, 78.22.02, 79.20.01, 80.13



Kommentare


bottom of page