
Nicht verstehen. Hindurch gehen.
- Marc

- vor 13 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Zen scheint oft Intelektuell daher zu kommen. Allerdings ist das mehr was die Menschen daraus machen, als dass es das wirklich wäre. Zen ist einfach die Erfahrung selbst, die vom Bewusstsein gemacht wird. Ob du nun darüber nachdenkst oder nicht. Es zählt nur die Praxis. Zen ist einfach. Keine Polarität. Kein Ich, kein Du. Kein Innen, kein Aussen. Nur das Erleben selbst.
Durch die Praxis des Zazen, des Sitzens und Wahrnehmens, entsteht manchmal eine innere Zufriedenheit. Ein inneres frei sein. Das nimmt man natürlich gerne an. Aber das ist nur die eine Seite der möglichen Erfahrung. Auch die andere Seite will integriert werden und wird sich früher oder später zeigen.
Manchmal entsteht ein Zustand des verloren seins. Der Sinnlosigkeit von allem durch das lösen von allem. Im englischen "detachement" genannt. Übrig bleibt dann manchmal eine innere Leere, in der sich die Bedeutung der Existenz auflöst. Die Freude wird natürlich einfach angenommen und hindurchgegangen. Es ist ja leicht, der Verstand hat keinen Anlass zu fragen und verstehen zu wollen, warum dieser Zustand da ist, wenn er schön und gut erträglich ist.
Auf der scheinbar negativen Seite kommt dann aber der Widerstand. Der Verstand, das Ego findet sich in einer unbequemen, blockierten Situation wieder und will plötzlich verstehen. Beginnt zu suchen. Will eine Lösung. Ablehnung steht im Vordergrund, nicht annahme dessen was ist. Doch auch dieser Zustand gehört nun einfach zu der Erfahrung selbst, wenn er da ist.
Gehe hindurch. Schreite voran in deiner Erfahrung. So wie nichts Bestand hat, wird auch dieser Zustand nicht beständig sein. Atme, gehe hindurch.
Erläuterungen
Im Zen ist alles leer. Wenn nichts von Bedeutung ist, wo kommt der Antrieb her etwas zu tun?
Das ist eine klassische Zen-Frage, die aus einem Missverständnis der „Leere“ entsteht. Leere (śūnyatā) bedeutet nicht Nihilismus oder Bedeutungslosigkeit, sondern die Abwesenheit eines festen, unabhängigen Selbst und starrer Konzepte.
Wenn nichts „von Bedeutung“ im Sinne von fixierten Zielen oder Ich-Bezug ist, fällt der krampfhafte, egoistische Antrieb weg – und genau dort entsteht natürliches, spontanes Handeln. Der Antrieb kommt dann nicht aus einem „Ich muss etwas erreichen“, sondern aus der unmittelbaren Situation selbst: Der Baum will gegossen werden, der Hunger möchte gestillt sein, die Arbeit wird einfach getan.
Im Zen ist dieser Antrieb „Nicht-Antrieb“ – Handeln ohne Anhaften an Früchten, ohne inneren Dialog über Bedeutung. Wie ein erfahrener Tischler, der nicht mehr darüber nachdenkt, warum er etwas tut, sondern einfach meisterlich im Augenblick handelt. Die Energie fließt aus der Leere, weil nichts blockiert.
Wie kommt man über diese Schwelle des sich blockiert fühlens wieder ins "einfach tun"?
Dieses Gefühl der Blockade selbst ist ein klassisches Zen-Tor – denn der Wunsch, „einfach zu tun“, wird schnell zu einem neuen Soll, einer neuen Messlatte, an der du dich misst. Und genau dieses Messen erzeugt die Blockade. Spürst du wie der Verstand auf eine Lösung drängt?
Wie integriert Zen auch solche Zustände?
Blockade ist erlaubt. Du musst nicht über die Schwelle kommen. Es gibt keine Schwelle. Bleib genau dort, wo du bist:
„Ich fühle mich blockiert.“
Das ist kein Fehler, sondern der gegenwärtige Zustand. Nimm ihn ganz an, ohne ihn loswerden zu wollen. Das ist bereits Tun – das Tun des Nicht-Kämpfens.
Verlasse die Vorstellung einer Schwelle. Die Idee, dass da ein Übergang ist, den du schaffen müsstest, ist ein Gedanke. Frage: Wer ist derjenige, der sich blockiert fühlt? Und wer ist derjenige, der diese Blockade überwinden will? Beide sind Gedanken. Leg sie für einen Moment ab.
Kleinster möglicher Schritt. „Einfach tun“ kann mit einer lächerlich kleinen Handlung beginnen: Einatmen, ausatmen. Einen Finger heben. Einen Stift aufnehmen. Ohne Ziel, ohne Bedeutung. Nur als Bewegung. Wenn das zu viel ist: Tu gar nichts, aber bewusst.
Gib dem Widerstand Raum. Setz dich fünf Minuten hin und widme dich ausschließlich dem Gefühl der Blockade. Atme damit. Vielleicht sagt es dir etwas: Angst vor Fehlern? Vor Sinnlosigkeit? Lass es da sein, lass es fliessen, ohne zu analysieren.
Leere heißt nicht Handlungsunfähigkeit. Ein leerer Raum ist gerade dadurch nutzbar, dass nichts festgelegt ist. Deine Blockade ist auch leer – sie hat keine feste Substanz. Sie verändert sich, sobald du sie anschaust.
Der nächste Schritt ist nicht, die Blockade zu überwinden, sondern sie willkommen zu heißen. Atme, geh hindurch.





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